Denkanstoß

„Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes / wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, / und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“ (Lk. 1, 78.79)

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Einsamkeit umfasste ihn wie ein Mantel des Todes und griff mit eiskalter Faust nach seinem Herzen. So oder so ähnlich könnte man schreiben, wollte man eine melodramatische Geschichte von verlassenen Menschen schreiben. Hinzu kommt, dass wir uns nun wieder inmitten der dunklen Jahreszeit befinden. Das ist die Jahreszeit, in der Menschen wieder verstärkt an Depressionen leiden können, was durch die verringerte Präsenz des Sonnenlichtes begünstigt wird.

Und doch, wie uns die obige Perikope zeigt, gibt es Hoffnung. Nicht von ungefähr feiern wir das Weihnachtsfest inmitten dieser dunklen Jahreszeit. Vor ein paar Tagen fand bereits die Wintersonnenwende statt. Die Tage werden wieder länger, die Nächte kürzer und auch die Gemütslage dürfte sich langsam verbessern.

Die wörtliche Übersetzung für „das aufstrahlende Licht“ ist „anatolä“. Dieser Begriff steht eigentlich für den Aufgang eines Gestirns. Anatolä bzw. Aufgang ist aber auch der Name des Messias, des Sterns, der uns das Licht bringt. Und genau das ist es, worum es an Weihnachten geht: Gott wurde Mensch in Jesus Christus. Er kam mitten in die Dunkelheit dieser Welt, um uns zum Licht zu führen. In keiner anderen Religion gibt es das, dass sich eine Gottheit so klein macht und Mensch wird, um die Menschen zu retten. Das ist echt phantastisch! Nun brauchen wir nicht mehr in Hoffnungslosigkeit oder Einsamkeit zu verharren, denn Gott selbst kam in diese Welt, um uns zu retten. „Wer glaubt, ist nie allein.“, lehrt uns Papst Benedikt XVI.

Diejenigen unter uns, die das Brevier (Stundengebet) beten, werden jeden Tag daran erinnert, denn obige Verse entstammen dem sog. „Benedictus“, dem Lobgesang des Zacharias, das Bestandteil des Morgenlobes, der Laudes, ist. Aber auch die übrigen sollten sich nicht nur an Weihnachten daran erinnern, sondern diese Gewissheit mit in den Alltag nehmen.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes, gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest! Amen!

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!




© Brother Colin MacTarbh OSB obl. (24.12.14)