Denkanstoß

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?“ (Ps. 121, 1)

Liebe Brüder und Schwestern!

Heiligtümer jeglicher Art und jeglicher Religion wurden früher oft auf Erhöhungen oder Bergen gebaut. Man glaubte, dadurch käme man seiner Gottheit, die ja im Himmel sein sollte, näher. Man wähnte sich seiner Gottheit näher und und erwartete dadurch auch Hilfe bzw. Segen.

Die Juden glaubten an den einen Gott, dessen Tempel in Jerusalem stand. Nur hier konnten Sünden durch entsprechende Sühneopfer vergeben werden. Ca. um 440 vor Christus wurde eine Religionsreform durch Esra und Nehemia durchgeführt. Hierbei setzten sich Anhänger der alten israelitischen Tradition nach Samarien ab. Von der Religionsreform waren auch Mischehen zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten betroffen. Besonders Priester und Leviten sollten keine solchen Mischehen führen. Bestand eine solche Ehe bereits, sollte sie beendet werden. Ein gewisser Manasseh, Sproß einer hohepriesterlichen Familie, war mit der Tochter eines persischen Statthalters verheiratet. Aufgrund seiner Weigerung, die Ehe zu beenden, wurde er aus Jerusalem ausgewiesen und schloss sich zusammen mit weiteren Priestern den israelitischen Samaritanern an. Fortan kümmerte er sich um die Organisation des Priesterdienstes auf dem samaritanischen Berg Garizim. Da die Samaritaner nun keinen Zugang mehr zum Tempel in Jerusalem hatten, vertraten sie nun ganz einfach die Auffassung, der einzige richtige Ort für die Verehrung Gottes sei der Berg Garizim und nicht Jerusalem.

Auf dieses Zerwürfnis, das zu einem richtigen Hass zwischen Juden und Samaritanern geführt hatte, bezieht sich der Psalmist und fährt fort: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“(Ps. 121, 2) Damit wollte er betonen, dass selbstverständlich die Hilfe nicht von irgendeinem Berg kommt, sondern einzig und allein von Gott allein.

Aber auch das vergessen wir in der Hektik und den Sorgen des Alltages oft. Auch ich selbst bin dabei leider nicht die rühmliche Ausnahme. Wie oft erwische ich mich dabei, dass ich nur auf den Berg der Herausforderung schaue, der mir dabei natürlich viel zu hoch und als nicht zu meistern erscheint. Gott sei Dank zeigt mir Gott dann immer wieder, wo es lang geht und dabei hat er mich noch nie im Stich gelassen.

Schütten wir Gott unser Herz aus! Legen wir unsere Anliegen in seine großen gütigen Hände und lassen uns von ihm helfen!

Herr, ich glaube! Hilf meinem Unglauben! Amen!

Et pax Dei, quae exsuperat omnem sensum, custodiet corda vestra et intelligentias vestras in Christo Iesu. Amen!




© Brother Colin MacTarbh OSB obl. 06/14